Selbstverständnis der Politischen Werkstatt

 

Das Projekt Politische Werkstatt versteht politische Arbeit als Selbstaufklärungsstrategie innerhalb linksradikaler Gesellschaftskritik fernab von eingefahrenen Ideologien. Diese gründet sich auf viele Mittel, die die verschiedenen Individuen berücksichtigt, wie deren Ausdruck im Sinne von Joseph Beuys: " Jeder Mensch ist ein Künstler".

Antifa

Wir verstehen Antifapolitik nicht als die immer noch verbreitete Reduktion und nicht selten autoritär fixierte Bekämpfung der Faschisten. Wir verstehen sie als Überwindung und Kritik der ständig drohenden faschistischen Tendenzen, v.a. innerhalb eines Landes, das Auschwitz als bis dahin Undenkbares verwirklichte, ohne allerdings wieder auf einen nationalen Blickwinkel beschränkt zu bleiben. Das heißt, die Reorganisation der Rechten nicht nur zu verhindern, sonder die Gefahr und Quelle faschistischen Geistes in den gesamtgesellschaftlichen Zusamenhang, als herrschaftlichen im allgemeinen und kapitalistischem im besonderen, zu verorten.

   

Lesekreis

Bedeutet die Diskusion, in einer hierachiefreien Umgebung, auf der Grundlage von theoretischen Texten im weitesten Sinne, um Gesellschaft und Alltag zu analysieren und zu kritisieren.

Projektgruppen

Die Projektgruppen wollen eine politische Gegnkultur entwickeln, d.h. die Bildung von selbstständigen Gruppen als Plattform für die verschiedensten populär - künstlerischen Tätigkeiten und Ausdrucksformen, wie Literatur, Foto, Theater, Video, Musik, Zeichnungen, Malerei, Skulptur, elektronische Medien usw..

Kampagnen

Welche aus einem anderen Blickwinkel gesellschaftliche Verhältnisse, mit dem Schwerpunkt gesetzt auf Warenproduktion, Arbeit, Medien, Konsum usw. jeweils aufeinander bezogen bearbeiten. Sie sind zu verstehen als permanente, immer aufeinander aufbauende, als ständig wachsende Netzwerke. Sie sind gedacht jenseits von beliebigen Kampagnenspringereien und verkrampfter Aktualitätsfixierung. Statt dessen soll das gesellschaftlich Allgemeine im Besonderen sichtbar gemacht werden.
Als das Allgemeine gelten die gsellschaftlichen Verhältnisse, die durch die Kampagnen im Besonderen der gesellschaftlichen Einrichtungen und des Alltags durch vielfältige Mittel beleuchtet werden sollen. Zur Verdeutlichung: Die Gesellschaft beruht auf privatkapitalistischer Klassenherrschaft, die durch verschiedene Institutionen, teilweise staatlich (z.B. der Gewaltapparat), teilweise privat (Parteien, Medien, Die Produktion und der Vertrieb usw.), direkt oder indirekt aufrechterhalten wird und sich selbst immer wieder herstellt. Entsprechend wurden für die Kampagnen Themen gewählt, wie Zeitökonmie, Medien, Arbeit und Produktion usw.. Wir wollen uns von den traditionellen Kampagnen, v.a. der Autonomembewegung der 80´ger Jahre absetzen, die zwar die Herrschaftsverhältnisse (wozu auch die patriarchalen gehörten, die aber eng mit der Entstehung des Kapitalismus, wie mit der Herrschaft über die Natur verknüpft sind) verbal kritisierten, aber in der Praxis nicht zur Erscheinung kommen ließen (z. B. Startbahn West), und trotz der Berechtigung des besonderen Gegenstandes nicht als allgemeine ins öffentliche Bewusstsein drangen.

Die Politische Werkstatt, welche 1994 aus der Antifabewegung hervorgegangen ist, hat sich zum Ziel gesetzt, Kampagnenarbeit auf eine neue Grundlage zu stellen, die mit neuen Mitteln, wie z. B. Populärkunst, zu arbeiten versucht.
Als neue Grundlage verstehen wir, die Herrschaftsverhältnisse, wie oben beschrieben, ins Zentrum unserer Kritik zu stellen, so das die Themen diese Verhältnisse repräsentieren.
Dieses setzt aber Veraus, dass die theoretische Auseinandersetzung als kollektive Aneignung kritischer Gesellschaftstheorie, was in großen Teilen der subkulturellen Linken bisher eher auf Widerstände stieß, nicht vernachlässigt wird, und die Einengung der politischen Praxis auf punktuelle Ziele verstärkt hat. Diese Entwicklung führte dazu, dass die Gesellschaftskritik als Kritik des Allgemeinen von einer verengten Praxis des Besonderen abgetrennt wurde.
Theoretische Arbeit muss nicht unlustvoll sein, wenn sie kollektiv und hierarchiefrei ist. Sie sollte auch nicht zum anderen Extrem führen, indem die theoretische Kritik die praktische ersetzt. Ist es möglich, die Gesellschaft zu verändern, ohne sie wirklich in ihrer widersprüchlichen Struktur verstanden zu haben?
Die Politische Werkstatt hat sich zur Aufgabe gemacht, anregende Modelle experimentell zu entwickeln, die die Fähigkeit haben, Gesellschaftstheorie allgemein kommunizierbar zu machen. Gedacht war dabei hauptsächlich an künstlerische bzw. populärkünstlerische Mittel, d. h. Mittel, die nicht unbedingt künstlerische Fertigkeiten voraussetzen, aber künstlerisch soziale Sensibilität bedingen bei den Akteuren, wie bei den Adressaten, die gleichzeitig Akteure werden sollen oder schon sind.
Populärkunst heißt in unserem Sinne auch Popkultur als ständige Inspirationsquelle, wie gleichzeitig als Gegenstand der Kritik. Popkultur ist nicht selten ein Kopfstand, der auf die eine oder andere Weise die gesellschaftlichen Verhältnisse wiederspiegelt.
Niemals fertiges Ergebnis wie der Anfang, als Losgehen von jedem beliebigen Punkt, bilden so eine Art "visuellen Denkprozess" (Joseph Beuys), der Aufklärung wie Selbstaufklärung ermöglicht durch ein Netzwerk des Vielfältigen und Ausdruck der sich bildenden Individualität.
Die Ansätze dazu wurden bisher verwirklicht in einer als permanent gedachten Ausstellung im erweiterten Sinne, die Theater, Lesung, Konzert usw, einschließt und in "geschlossenen" Räumen wie auf der Straße stattfinden sollen. Ergänzt werden sie durch Aktionen, die fernab von bloßer Protestkundgebung, eher durch theatermäßiges (oder Happening) Agieren der Akteure, die Kritik zum Ausdruck bringt, ohne herkömmliche Mittel wie Flugblätter usw. auszuschließen, aber mit einem gewissen Vorzug der Ironie.
Ergänzt wird die Kampagnenarbeit durch zwei Zeitungsprojekte wie der "Werkstatt Forum" mit mehr theoretischem Schwerpunkt, und der deutlich kleineren "bad times" mit einem eher gemischten Profil.

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